Hello, Robot. (Design Museum Gent)

“Hello, Robot.” im Design Museum Gent

4.7 min read|1233 words|

von Michael Kirmes

am 5. März 2018

Das Designmuseum in Gent widmet sich normalerweise historischem Design-Kulturerbe, momentan wirft es mit der Ausstellung “Hello, Robot. Design between Human and Machine” aber einen Blick in die Zukunft. In der Ausstellung geht es vor allem um größtenteils philosophische Fragen, die sich zukünftig aus der Beziehung zwischen Menschen und Robotern ergeben werden, was einen netten Kontrast zur Roboterausstellung im Manchester Museum of Science and Industry bietet, die ich vor einem Monat besucht habe und die eher den technischen Fortschritt in der Robotik bis zum heutigen Zeitpunkt beleuchtet.

Ähnlich wie in Manchester gab es auch eine Ecke mit Robotern aus Film und Fernsehen, Spielzeug, Comics und Büchern. Aber es geht hier weniger um den (fortschrittsgetriebenen) Wandel in der Darstellung, als um die persönliche (aber für unsere Beziehung sehr wichtige) Frage: “What was your first experience with a robot?” Meine Freunde aus Uruguay finden bei Rosie, the Robot Maid aus den Jetsons eine Kindheitserinnerung wieder, und fragen sich, was diese Darstellung eines Roboters als weibliche Haushaltshilfe wohl angerichtet hat. Robin, ein Transgender-Roboter vom belgischen Designer Jan de Coster der ganz am Anfang der Ausstellung steht, ist ein Kommentar zu dieser Debatte.

Ich habe als Kind nicht die Jetsons geguckt, sondern die Sendung mit der Maus. Beim Nachdenken darüber stelle ich fest, dass ich — auf Grund ihrer modifizierbaren Körperteile und dem lauten Klappern der Augenlider (und entsprechender anderer Geräusche) — implizit wohl immer angenommen habe, dass auch die Maus irgendwie ein mechanisches Lebewesen ist. Tatsächlich konstatiert Armin Maiwald, Miterfinder und Ober-Erklärer der Sendung:

“Es ist eine geschlechtlose technische Maus, die in ihrem Bauch einen Wecker oder alles mögliche Werkzeug hat, die ihre Beine nach Belieben verlängern, die mit dem ausgerissenen Schwanz Seilchen springen, oder auch mit einem ausgerupften Ohr Suppe löffeln kann.”

Darüber hinaus müsste ich in alten Kindheitsbüchern und -comics wühlen, um der Antwort näher zu kommen, was meine erste Begegnung mit Robotern war. Vielleicht Schlupp vom grünen Stern? Die Roboter meiner Kindheit waren sicherlich alle nett und freundlich. Erst in meiner Jugend kamen interessante Roboter dazu, wie Bender aus Futurama oder Sonny aus iRobot.

Die Maus wirft jedenfalls wieder die Frage auf, die wir auch auf dem Weg zur Ausstellung diskutiert haben: “Was ist eigentlich ein Roboter?” (bzw. “Have you ever met a robot?”). Zu dieser Frage findet man der Ausstellung eine Art Verständnis-Mindmap an der Wand des ersten Raums; diese liest sich allerdings eher wie ein Who is Who verwandter Technologien, ohne dabei eine klare Antwort zu geben:

Unter der Frage “Do we really need robots?” geht es interessanterweise nicht direkt um Roboter, sondern vielmehr in einer Analogie um Technologien wie Smartphones und Voice Assistants, die bereits jetzt eine bedenkenswerte Form der Abhängigkeit, ja Unterwerfung geschaffen haben, die in Exponaten wie Eric Pickersgill’s Removed oder in Curious Rituals: A Digital Tomorrow vom Near Future Laboratory, von dem ich einen Auszug schon letztes Jahr auf der meConvention sehen konnte, gezeigt werden. Eine allgemeine Einordnung des Einzugs von Technologie in unseren Alltag bietet die Pyramid of Technology des Next Nature Networks.

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Ein ähnlich ambivalentes Verhältnis werfen die restlichen beiden Fragen im gleichen Raum auf: “Are robots our friends or our enemies?” und “Do you trust robots?” Neben Flugdrohnen, Minenräum-Robotern, Verkehrsrobotern und selbstfahrenden Autos, die bereits existierende positive Seiten aufzeigen, sind es vor allem die eher künstlerischen Exponate, die unsere Beziehung zu Robotern in Frage stellen. “When the Home Stops” von Joseph Popper zeigt in einer Reihe von Kurzfilmen, wie hilflos wir aussehen können, wenn wir alle täglichen Aufgaben an Roboter ausgelagert haben, und diese plötzlich ausfallen. Highlight dieses Bereichs war aber der (nicht mehr funktionale) Knife.Hand.Chop.Bot, der mit Präzision eine Klinge zwischen unsere Finger sausen lässt, wenn wir die Hand hineinstecken. Aber bloß nicht nervös werden: Schweiß auf den Dioden könnte die Präzision einschränken. Wer traut sich?

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Außer diesem Raum zu unserem persönlichen Verhältnis zu Robotern im Allgemeinen gibt es noch eine Reihe von Themenräumen. Im Raum “Programmed to Work” sieht man mehrere Roboter, die einfache, wiederkehrende Aufgaben erledigen oder uns dabei unterstützen können — und die Ergebnisse dieser Arbeit.

Schon von der Code_N in Karlsruhe vorletztes Jahr kannte ich manifest von Kuka, einen Roboterarm, der mit einem Stift am laufenden Band zufällig generierte Manifeste verfasst. Aus Karlsruhe haben wir damals schon eine englische und eine deutsche Version mitgenommen, in Belgien war das Manifest auf französisch (obwohl sich das Museum ja in Gent, also im flämischen Teil Belgiens, befindet).

Besonders faszinierend fand ich das Exponat “Teacher of Algorithms”: Die Prämisse: Smarte Geräte müssen erst smart gemacht werden, durch Training, indem sie für das richtige Verhalten belohnt und das falsche bestraft werden.

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Auch wenn dies nicht ganz der momentanen Realität künstlicher Intelligenz entspricht, ist die Grundidee doch nahe an der iterativen Optimierung von Nutzenfunktionen künstlicher Intelligenzen beim Machine Learning. Für Menschen wie mich, der ich mit meinem Drucker schimpfe, wenn er das falsche druckt, und sich bei Alexa bedankt, wenn sie mal erfolgreich das Licht ausschaltet, ist dieser Prozess dabei gleichzeitig intuitiv verständlicher. Und es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass im Zuge der weiteren Entwicklung von Robotern neue Rollen für menschliche Trainer anfallen, wie es Google X-Chef Nick Foster kürzlich tweetete:

Im dritten Raum, “Friend and Helper” ging es zunächst um die Frage, ob wir wollen, dass sich Roboter um uns kümmern. Es ging aber nicht nur um Pflegeroboter, sondern auch um Roboter die mit Kleinkindern spielen, Sexroboter und, besonders interessant, den Headgasmatron, ein Roboter der einem mit einer Kopfmassagespinne aus Draht den Skalp massiert — also ein nicht sexuelles, aber dennoch sehr angenehmes Gefühl bietet.

Weiterhin stellte dieser Teil der Ausstellung unter anderem dar, wie Roboter durch die Auswahl der Sensoren auch eine gewisse Persönlichkeit bekommen — und möglicherweise auch Gefühle ausdrücken können. Einige Exponate beschäftigten sich damit, wie wir mit den “sterblichen Überresten” kaputter Roboter umgehen, und nahm dabei unter anderem Bezug auf das dafür wohl bekannteste Beispiel, den inzwischen nicht mehr gehandelten japanischen Roboterhund Aibo.

Der letzte Raum der Ausstellung, “Becoming One” befasste sich mit der Vereinigung von Robotern und Menschen auf zweierlei Weise: einmal (naheliegender) indem Teile der Natur oder des menschlichen Körpers durch Roboter ersetzt oder ergänzt werden, zum anderen (futuristischer) aber auch dadurch, dass Menschen anfangen, in Robotern zu leben — also in stark automatisierten, sich selbsttätig bewegenden Häusern oder gar Städten.

https://gizmodo.com/japan-is-holding-actual-funerals-for-sonys-robotic-aibo-1688175542

Insgesamt hat die Ausstellung einen sehr umfassenden Überblick zu den Fragen geboten, die unsere Zukunft mit Robotern mit sich bringt, und in der Regel beide Seiten der jeweiligen Debatte fair und dennoch plakativ beleuchtet. Ein Besuch ist auf jeden Fall empfehlenswert, die Ausstellung läuft noch bis zum 25. April 2018. Wir waren nach etwa 2 Stunden einmal durch, wer sich gerne noch tiefer in die Details einlesen will, kann sich sicher auch länger dort vergnügen, es gibt aber auch ein sehr ausführliches und gut gemachtes, wenn auch nicht ganz billiges, Begleitbuch.

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